Ausgewählte kleine tschechische Handwerksbrauereien

Die tschechische Craft-Bierszene hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Zahlreiche kleinere Brauereien verbinden handwerkliche Herstellung, kreative Rezepte und vielfältige Aromen. Dieser Überblick führt Sie durch verschiedene Regionen – von westböhmischen Felsenkellern bis zum Vorland der Beskiden – und stellt Gründungsgeschichten, Brauverfahren, regionale Zutaten und ausgewählte Biere vor. Entdecken Sie Geschichte, Tradition und Experimentierfreude der tschechischen Braukultur.

Měšťanský pivovar Kojetín

Die Biertradition in Kojetín reicht bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Jan von Pernštejn verlieh den Bürgern das Recht zum Bierausschank; frühe Erwähnungen stammen aus den Jahren 1541 und 1556. Historisch gab es eine obere Brauerei am Standort des heutigen Hotels Pivovar, die von 1556 bis 1913 bestand, und die untere herrschaftliche Brauerei von 1720 bis 1884. Nach ungefähr 109 Jahren ohne eigene Bierproduktion belebte eine Gruppe von Enthusiasten das Brauen 2022 wieder. Dafür wurde die alte Orlovna, ein ehemaliges Kino, zur neuen Bürgerbrauerei Kojetín umgebaut. Im Mittelpunkt stehen traditionelle tschechische Biere, helle und dunkle Lager sowie saisonale Spezialitäten. Zusammen mit der Kulturregion Haná und ihrer Umgebung ist die Brauerei ein interessantes Ziel für Bierfreunde und Liebhaber regionaler Gastronomie.

Minipivovar Koníček – Vojkovice bei Frýdek-Místek

Die Kleinbrauerei Koníček wurde 2006 von Freunden regionalen Bieres gegründet und schrittweise um ein modernes 20-Hektoliter-Sudhaus erweitert. Sie setzt auf regionale Zutaten: sehr weiches Quellwasser aus Morávka, Malz aus der Haná und traditionellen Saazer Hopfen. Zum beschriebenen Verfahren gehören zwei Maischen im klassischen Drei-Gefäß-Sudhaus, offene Gärung und lange Lagerzeiten. Die Hauptgärung erfolgt ungefähr zehn Tage bei etwa 9–10 °C, anschließend reifen die Lagerbiere rund 40–60, bei manchen Bieren bis zu 120 Tage. Verwendet werden hochwertige Gerstenmalze und Hefe aus der Brauerei Litovel; industrielle Extrakte stehen nicht im Mittelpunkt der Rezepturen. Zum Sortiment gehören traditionelle tschechische Lagerbiere wie Ryzák 11° sowie stärkere Spezialitäten wie das dunkle Grošák 14° und das halbdunkle Vraník 12°. Veranstaltungen wie Koníčkův den und das humorvolle Rennen Točko-kapp ergänzen das Angebot. Auch Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten gehören zum Umfeld der Brauerei.

Familienbrauerei Chodovar – Chodová Planá, Westböhmen

Die Geschichte der Brauerei in Chodová Planá reicht bis 1573 zurück. Zu ihrem Umfeld gehören alte Felsenkeller, eine Quelle und die Legende vom Hund Albi. Nach einem Wiederaufbau im Jahr 1862 durch den damaligen Eigentümer Berchem erhielt die Anlage wesentliche Teile ihres heutigen Erscheinungsbildes. Nach 1992 übernahm die Familie Plevka den Betrieb und setzte auf traditionelle Herstellungsverfahren. Chodovar braut untergärige Biere nach altböhmischen Rezepturen und nutzt weiches Wasser aus eigenen artesischen Brunnen sowie Malz aus der eigenen Tennenmälzerei, deren beschriebene Jahresproduktion bei 1.700 Tonnen liegt. Das historische Sudhaus von 1924 wurde 2004 modernisiert; in der Vorlage wird eine Kapazität von bis zu 800 hl Würze pro Tag genannt. Die offene Gärung dauert bei niedrigen Temperaturen etwa zehn Tage, danach folgt die lange Reifung in Steinkellern bei ungefähr 2 °C. Zu den bekannten Bieren zählen das helle Lager Prezident, das dunkle Černé Zámecké und die kaltgehopfte Spezialität Saturnin. Die Brauerei hat verschiedene Auszeichnungen erhalten, darunter einen Erfolg von Černé Zámecké beim European Beer Star. Zum touristischen Angebot gehören ein Brauereimuseum, ein Felsenkellerrestaurant, Bierbäder und ein Hotel. Ein großer Biergarten und Veranstaltungen wie das Fassrollen ergänzen den Besuch.

Brauerei Krakonoš – Trutnov

Die Wurzeln der Brauerei Krakonoš in Trutnov reichen bis 1582 zurück, als brauberechtigte Bürger eine städtische Brauerei gründeten. Seit 1994 wird sie von der Gesellschaft Krakonoš betrieben. Das beschriebene Sortiment umfasst fünf traditionelle untergärige Biere: helle Schankbiere, Lager und stärkere Spezialitäten. Vier Varianten werden ganzjährig angeboten, während ein kräftigeres Weihnachtsbier mit 14° meist für die Feiertage gebraut wird. Die Brauerei verwendet eigenes Quellwasser aus einem 80 Meter tiefen Brunnen, der aus dem Riesengebirge gespeist wird. Bekannt sind etwa Krakonoš 12°, ein helles Elferbier und ein dunkles Zwölferbier. Auch kleinere Fässer ab zehn Litern sind für private Anlässe interessant. Traditionelle Verfahren im Sudhaus und bei der Gärung bilden die Grundlage des gleichbleibenden Charakters; hinzu kommen Auszeichnungen regionaler Wettbewerbe.

Brauerei Vraník – Trnava bei Zlín, Ostmähren

Die Brauerei Vraník entstand 2014 in der kleinen Gemeinde Trnava bei Zlín. Sie verbindet moderne Technik mit handwerklichen Verfahren. Die Vorlage beschreibt ein Sechs-Hektoliter-Kupfersudhaus, offene Hauptgärung von ungefähr sieben Tagen sowie eine anschließende Lagerung bei rund 1 °C über 30 bis 60 Tage. Verwendet werden Malz aus der Mälzerei Záhlinice, Saazer Hopfen und örtliches Quellwasser. Neben klassischen hellen und halbdunklen Lagerbieren werden saisonale Frühlings- und Weihnachtsbiere sowie obergärige Spezialitäten genannt. Sorgfältige Rohstoffauswahl und lange Reifezeiten prägen den Ansatz der Brauerei. Zum Betrieb gehören auch Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten, die ihn zu einem Ausflugsziel der Region machen.

Brauerei Mazák – Dolní Bojanovice, Südmähren

Die Brauerei Mazák liegt im Weinort Dolní Bojanovice bei Hodonín. Sie verbindet traditionelles tschechisches Brauen mit neueren Entwicklungen. Grundlage ist die sorgfältige Auswahl hochwertiger Malze und Hopfen. Zum beschriebenen Spektrum gehören helle Biere, fruchtige Varianten und besondere Experimente, darunter die in der Vorlage genannte Verbindung von Bier und örtlichem Wein unter dem Namen Božaňowitz. So spricht die Brauerei sowohl Freunde klassischer Stile als auch neugierige Entdecker an. Veranstaltungen im Umfeld von Wein und Bier sowie die Verbindung zur örtlichen Bevölkerung machen Mazák zu einem Teil des kulturellen Lebens Südmährens.

Brauerei Moravia – Brno, Südmähren

Die Marke Moravia hat eine lange Geschichte. Die ursprüngliche Brauerei wurde 1898 in Brno gegründet und erreichte vor dem Zweiten Weltkrieg eine Jahresproduktion von ungefähr 200.000 Hektolitern. Damit war sie die zweitgrößte Brauerei der Stadt. Nach dem Krieg wurde der Betrieb eingestellt, die Erinnerung an die Marke blieb jedoch lebendig. Die heutige handwerklich orientierte Moravia nahm 2016 im ehemaligen Mälzereigebäude die Produktion wieder auf. Das Team legt Wert auf handwerkliche Qualität und traditionelle Verfahren, besonders bei untergärigen Bieren. Im Sortiment werden Lagerbiere und Spezialitäten beschrieben, etwa Zlatá Morava 12° und Nezmar IPA. Wettbewerbserfolge begleiteten den Wiederaufbau der Marke. Durch ihre Geschichte und den Bezug zur örtlichen Tradition ist Moravia Teil der Brünner Bierkultur und Identität.

Bürgerbrauerei Rebel – Havlíčkův Brod, Vysočina

Die Brauerei Rebel, auch unter dem Namen Měšťanský pivovar Havlíčkův Brod bekannt, knüpft an mehr als 500 Jahre örtlicher Brautradition an. Im Mittelpunkt stehen klassische tschechische Biere, insbesondere helle und dunkle Lager. Hochwertige Zutaten wie tschechisches Malz und Hopfen werden mit sorgfältigen Brauverfahren kombiniert. Der Betrieb verbindet moderne Sudhaustechnik mit traditionellen Gärprozessen; die Biere zeigen einen erkennbaren Malzcharakter und gepflegten Schaum. Die Marke ist fest in der Region verankert und gehört sowohl zur örtlichen Wirtschaft als auch zum Tourismus. Führungen und Ausschank im Brauereiumfeld ermöglichen Besuchern einen direkten Einblick. Lagerbiere und Spezialitäten haben bei regionalen und landesweiten Wettbewerben verschiedene Auszeichnungen erhalten.

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