NEIPA

New England India Pale Ale, kurz NEIPA, ist ein vergleichsweise junger Bierstil, der in den letzten Jahren sehr beliebt geworden ist. Dieses trübe, meist unfiltrierte Bier ist für seinen saftigen, fruchtigen Geschmack und sein weiches, teilweise cremiges Mundgefühl bekannt.

Ein typisches Merkmal ist die Trübung. Weizen und Hafer können ebenso dazu beitragen wie das Zusammenspiel von Proteinen und Hopfenbestandteilen. Auch der verwendete Hefestamm beeinflusst den Charakter. Das Ergebnis ist häufig ein deutlich trübes Bier in gelben bis orangefarbenen Tönen.

Ein weiteres Merkmal ist der intensive Hopfeneinsatz. Im Vergleich zu vielen klassischen IPA steht bei NEIPA weniger eine scharf wirkende Bitterkeit als vielmehr ein ausgeprägtes Hopfenaroma im Vordergrund. Große späte Hopfengaben und Kalthopfung bringen oft tropisch-fruchtige Eindrücke und einen saftigen Charakter hervor.

NEIPA bietet damit ein eigenständiges Geschmackserlebnis. Ob Sie klassische IPA mögen oder einfach einen neuen Bierstil entdecken möchten: Eine Verkostung lohnt sich.

Wie bei jedem Bier unterscheiden sich Rezeptur und Brauverfahren von Brauerei zu Brauerei. Entsprechend kann auch das Geschmackserlebnis der einzelnen Marken stark variieren.

NEIPA selbst brauen

Ein New England India Pale Ale selbst zu brauen, kann für Hobbybrauer eine spannende Erfahrung sein. Nachfolgend finden Sie eine Rezeptskizze für ein hopfenbetontes Bier mit Weizen und Hafer. Wichtig: Im ursprünglichen Rezept sind Ausschlagmenge, Wassermengen und Karbonisierung nicht angegeben. Es ist daher keine vollständig berechnete Brauanleitung und muss vor dem Brauen an Anlage und Zielmenge angepasst werden.

Zutaten

  • 4,08 kg Malz aus zweizeiliger Gerste
  • 0,45 kg Weizenmalz
  • 0,23 kg Hafer
  • 57 g Citra-Hopfen, späte Gabe
  • 57 g Mosaic-Hopfen, späte Gabe
  • 28 g Simcoe-Hopfen, späte Gabe
  • 28 g Amarillo-Hopfen, späte Gabe
  • 1 Packung London-III-Hefe, passend zur geplanten Würzemenge

Ablauf der Rezeptskizze

  1. Das Getreide schroten und das Einmaischwasser auf ungefähr 71 °C erhitzen.
  2. Das Schrot einrühren und auf eine gleichmäßige Temperatur achten.
  3. Die Maische 60 Minuten bei 66–67 °C halten, damit Stärke in Zucker umgewandelt wird.
  4. Nach dem Läutern mit ungefähr 77 °C warmem Wasser nachgießen, um verbleibende lösliche Zucker auszuwaschen.
  5. Die Würze kochen und die folgenden Hopfengaben nach verbleibender Kochzeit planen.
  6. 57 g Citra bei 15 Minuten Restkochzeit zugeben.
  7. 57 g Mosaic bei 10 Minuten Restkochzeit zugeben.
  8. 28 g Simcoe bei 5 Minuten Restkochzeit zugeben.
  9. 28 g Amarillo bei 1 Minute Restkochzeit zugeben.
  10. Nach dem Kochen die Würze möglichst zügig auf etwa 20 °C abkühlen.
  11. Die vorbereitete Hefe zugeben und nach ihren Herstellerangaben vergären. Die im Ausgangsrezept genannten 7–10 Tage sind nur ein Richtwert.
  12. Nach der Hauptgärung nach Bedarf weitere 7–10 Tage reifen lassen. Unnötiges Umfüllen vermeiden, da NEIPA besonders empfindlich auf Sauerstoff reagieren kann.
  13. Erst abfüllen, wenn die Gärung nachweislich abgeschlossen und der Extraktwert stabil ist. Eine Trübung ist bei diesem Bierstil erwünscht und kein Kriterium gegen die Abfüllung. Die Karbonisierung muss gesondert passend berechnet werden.

Tipps

Verwenden Sie frischen, hochwertigen Hopfen. Späte Hopfengaben tragen zu fruchtigen und tropischen Aromen bei. Viele moderne NEIPA-Rezepte ergänzen dies durch eine gezielte Kalthopfung, die in der obigen Rezeptskizze nicht berechnet ist.

Ein geeigneter Hefestamm wie London III sowie die Zusammensetzung der Schüttung und Hopfung beeinflussen Mundgefühl und Trübung. Sauberes Arbeiten und möglichst geringer Sauerstoffkontakt sind besonders wichtig.

NEIPA selbst zu brauen erfordert Geduld und Aufmerksamkeit. Nutzen Sie die Skizze als Ausgangspunkt und stimmen Sie Rezeptur und Verfahren auf Ihr eigenes Brausystem ab. Experimentieren gehört dazu, sollte aber auf einer vollständigen Mengen- und Prozessplanung beruhen.

Die Geschichte des Bierstils NEIPA

Die Wurzeln der modernen New England IPA liegen in der Craftbeer-Szene Neuenglands, besonders in Vermont, um die frühen 2000er-Jahre. Dort experimentierten kleinere Brauereien mit stark gehopften, trüben und unfiltrierten Bieren.

Ausgangspunkt war die klassische India Pale Ale, der die Brauer einen eigenen Charakter geben wollten. Statt vor allem markante Bitterkeit hervorzuheben, rückten sie fruchtiges Hopfenaroma und ein weicheres Mundgefühl in den Mittelpunkt.

Ein wichtiger Unterschied ist deshalb der Hopfeneinsatz. Große späte Gaben und Kalthopfung liefern tropische und fruchtige Aromen. So entsteht der für viele NEIPA typische saftige Eindruck.

Auch die Trübung gehört zum Erscheinungsbild. Weizen, Hafer, Hopfenbestandteile und die Wahl der Hefe wirken dabei zusammen. Häufig entsteht ein undurchsichtiges Bier in gelben oder orangefarbenen Tönen.

Mit wachsender Beliebtheit experimentierten immer mehr Brauereien mit diesem Ansatz. Der Stil verbreitete sich weit über Neuengland hinaus und wird heute weltweit in unterschiedlichen Varianten gebraut.

Zu den prägenden Namen der Bierlandschaft Vermonts zählen The Alchemist und Hill Farmstead. Ihre Biere und Ansätze haben die Entwicklung hopfenbetonter, aromatischer Biere wesentlich beeinflusst.

Zusammengefasst entwickelte sich NEIPA aus Experimenten kleiner US-Craftbrauereien zu einem international bekannten Bierstil. Neue Zutaten, Hopfensorten und Verfahren sorgen weiterhin für Veränderungen und individuelle Interpretationen.

Bezeichnungen und verwandte Varianten

Rund um NEIPA werden verschiedene Begriffe verwendet. Nicht alle bezeichnen klar voneinander abgegrenzte Unterstile; manche überschneiden sich oder beschreiben eher einen besonderen Charakter.

  1. Hazy IPA: Diese Bezeichnung wird häufig für trübe IPA und auch synonym zu NEIPA verwendet. Typisch sind ein deutlich trübes Aussehen und fruchtige, zitrusartige oder tropische Hopfenaromen. Häufig eingesetzte Sorten sind Mosaic, Citra und Galaxy.
  2. Juicy IPA: „Juicy“ betont den besonders saftigen, fruchtigen Geschmackseindruck. Dieser kann allein durch Hopfen wie Mosaic, Citra oder Nelson Sauvin entstehen. Fruchtsaft oder Fruchtpüree sind dafür nicht zwingend erforderlich, können aber in einzelnen Rezepturen vorkommen.
  3. Milkshake IPA: Diese Variante enthält häufig Laktose, einen Milchzucker, den übliche Brauhefe nicht vergärt. Dadurch wirkt das Bier süßer und voller. Früchte oder Gewürze können einen dessertartigen Charakter ergänzen. Bei Laktoseintoleranz ist die Zutatenkennzeichnung wichtig.
  4. Slushie IPA: Unter dieser nicht einheitlich definierten Bezeichnung werden teilweise stark fruchtbetonte Biere mit Saft oder Püree angeboten. Fruchtige Hopfensorten wie Mosaic, Citra und Galaxy können den smoothieartigen Eindruck ergänzen. Die zugesetzten Früchte verstärken häufig auch die Trübung.

Ob trüb, saftig, cremig oder besonders fruchtig: Das Umfeld der NEIPA bietet viel Abwechslung. Probieren Sie verschiedene Interpretationen und finden Sie heraus, welche Geschmacksrichtung Ihnen am besten gefällt.

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